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Calvinismus oder Arminianismus? - Zu welcher Lehrrichtung haltet Ihr Euch?

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Eduard:
Gruß an alle.
Ich weiß nicht, ob dieses Thema auf diesem Forum schon vorhanden ist?!
Diese beiden großen Lehrrichtungen, wenn man sie so bezeichnen darf, führen schon lange zu Spaltungen und Trennungen in der Geschichte der universellen Gemeinde Gottes.

Calvinistischer Standpunkt:

* Totale Verdorbenheit des Menschen
* Bedingungslose Auserwählung
* Beschränkte Versöhnung
* Unwiderstehliche Gnade
* Ausharren der Heiligen
Arminianischer Standpunkt:

* Freier Wille des Menschen
* Bedingte Auserwählung
* Unbeschränkte Versöhnung
* Widerstehliche Gnade
* Abfall der Heiligen
Zu welcher Lehrrichtung haltet Ihr Euch?
Ich denke, ein Interessantes Thema?!

PS: Es wäre nicht schlecht, zu diesem Thema eine Umfrage zu erstellen.
Leider weiß ich nicht, ob es möglich ist.  :-[

Ted:
Edualla, ja, da hast Du recht, das ist ein sehr grosses, umfangreiches Thema!

Um kurz und überschaubar zu antworten, möchte ich zunächst nur konstatieren, dass ich keiner dieser oder irgendwelcher anderer kategorisierten "Lehren" anhänge. Für mich sind einzig die Erkenntnisse, die ich direkt aus der Bibel und ggf. Sekundärliteratur, die ich anhand der Bibel prüfe und messe, massgeblich.

Stichwortartig meine Ansicht zu den von Dir angegebenen Punkten in Farbe hinter dem jeweiligen Punkt:

Calvinistischer Standpunkt:

* Totale Verdorbenheit des Menschen - Ja, unbedingt (siehe Paulus!)
* Bedingungslose Auserwählung - Ja, ohne Zutun von Werken, und Jesus ist der Erwählende (z.B. Joh 15,16)
* Beschränkte Versöhnung - Nein (was auch immer sonst damit gemeint sein könnte?!?)
* Unwiderstehliche Gnade - Jein - Der Mensch kann die Gnade versäumen. Gleichzeitig ist es aber Gott selbst, der den Geist des Menschen ziehen und zur Busse leiten kann.
* Ausharren der Heiligen - Die Heiligen werden in der Kraft Christi zum Ausharren befähigt. Jesus Christus macht die Seinen zu Überwindern.
Anmerkung: die dem Calvinismus zugeschrieben "Allversöhnung" halte ich für eine Irrlehre!

Arminianischer Standpunkt:

* Freier Wille des Menschen - (bedingt) Ja (siehe auch Calvinismus Punkt 3)
* Bedingte Auserwählung - Nein. Gott erwählt nach der ihm eigenen Souveränität, aber es gibt bei Ihm kein ansehen der Person und Seine Liebe und Gnade gilt allen Menschen gleichermassen
* Unbeschränkte Versöhnung - Was ist das? (siehe auch Calvinismus Punkt 3)
* Widerstehliche Gnade - siehe Calvinismus Punkt 4
* Abfall der Heiligen - Nein. Ein durch den Geist Gottes wiedergeborener Mensch kann die Kindschaft und das damit empfangene göttliche Leben nicht wieder verlieren.

Eduard:

--- Zitat von: Ted am 23.08.2013, 20:39:28 (CEST) ---Edualla, ja, da hast Du recht, das ist ein sehr grosses, umfangreiches Thema!

...

Arminianischer Standpunkt:
...
   
* Abfall der Heiligen - Nein. Ein durch den Geist Gottes wiedergeborener Mensch kann die Kindschaft und das damit empfangene göttliche Leben nicht wieder verlieren.
--- Ende Zitat ---
Danke, Ted, für Deine ausführliche Antwort.
Zuerst, was mir so aufgefallen ist, ist der letzte Punkt in dem "Arminianischer Standpunkt".
Kann ein Heiliger (sprich Gerechter) nicht abfallen?
Und wie soll man diese Schriftstelle verstehen?:

--- Zitat ---12 Und du, Menschensohn, sprich zu den Kindern deines Volkes: Den Gerechten wird seine Gerechtigkeit nicht retten an dem Tag, da er sich versündigt; und den Gottlosen wird seine Gottlosigkeit nicht zu Fall bringen an dem Tag, da er von seinem gottlosen Wesen umkehrt, so wenig wie den Gerechten seine Gerechtigkeit am Leben erhalten wird an dem Tag, da er sündigt. 13 Wenn ich von dem Gerechten sage: »Er soll gewisslich leben!«, und er verlässt sich auf seine Gerechtigkeit und tut Unrecht, so soll nicht mehr an all seine gerechten Taten gedacht werden; sondern um seines Unrechts willen, das er getan hat, soll er sterben.[/u] (Hes. 33:12-13)
--- Ende Zitat ---

Ted:
Man muss bei der von Dir angeführten Stelle aus Hesekiel berücksichtigen, dass dies zu einer Zeit gesagt wurde, als es noch keine wiedergeborenen Kinder Gottes gab. Diese Stelle ist die Bestätigung des im Gesetz formulierten 100%-Anspruchs auf vollständige Erfüllung des mosaischen Gesetzes um nach den Massstäben Gottes "gerecht" zu sein.

<<Verflucht sei, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllt, daß er danach tue! Und alles Volk soll sagen: Amen.>> (5. Mose 27,26, Hervorhebung von mir)

Dem Menschen unmöglich, aber bei Gott möglich, führt Paulus das so aus:
<<Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: «Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, daß er's tue!» Daß aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn «der Gerechte wird aus Glauben leben». Das Gesetz aber ist nicht «aus Glauben», sondern: «der Mensch, der es tut, wird dadurch leben». Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben: «Verflucht ist jeder, der am Holz hängt»,>> (Galater 3,10-16, Hervohebung von mir)

Fazit: erst durch die Wiedergeburt durch Gottes Geist erhält der Mensch die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt und ist dadurch "geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes." (1. Korinther 6,11b).

Da nun das Wohl und wehe nicht mehr auf dem Vermögen des Menschen beruht, sondern ALLEIN auf dem, was der Herr Jesus Christus bereits VOLLBRACHT hat, kann es nicht mehr umgekehrt werden. Bedenke: eine Geburt ist ein einmaliger, endgültiger Vorgang. So auch die Wiedergeburt durch den Geist Gottes.

Eduard:

--- Zitat von: Ted am 25.08.2013, 18:40:21 (CEST) ---Man muss bei der von Dir angeführten Stelle aus Hesekiel berücksichtigen, dass dies zu einer Zeit gesagt wurde, als es noch keine wiedergeborenen Kinder Gottes gab.
...

--- Ende Zitat ---
Ok, dann nehmen wir aus dem NT einige Personen in Betracht:
z.B.
--> "23 Es grüßt dich Epaphras, mein Mitgefangener in Christo Jesu, 24 Markus, Aristarchus, Demas, Lukas, meine Mitarbeiter." (Phil. 23-24)
und weiter von dem gleichen Mann:
"Denn Demas hat mich verlassen, weil er die jetzige Weltzeit lieb gewonnen hat, und ist nach Thessalonich gezogen, Crescens nach Galatien, Titus nach Dalmatien." (2Tim. 4:10)
--> "16 Die unheiligen, nichtigen Schwätzereien aber meide; denn sie fördern nur noch mehr die Gottlosigkeit, 17 und ihr Wort frisst um sich wie ein Krebsgeschwür. Zu ihnen gehören Hymenäus und Philetus, 18 die von der Wahrheit abgeirrt sind, indem sie behaupten, die Auferstehung sei schon geschehen, und so den Glauben etlicher Leute umstürzen." (2Tim. 2:16-18)
--> "1 Ich bin der wahre Weinstock, und Mein Vater ist der Weingärtne 2 Jede Rebe an Mir, die keine Frucht bringt, nimmt Er weg; jede aber, die Frucht bringt, reinigt Er, damit sie mehr Frucht bringt. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das Ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in Mir, und Ich [bleibe] in euch! Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in Mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in Mir bleibt und Ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von Mir könnt ihr nichts tun. 6 Wenn jemand nicht in Mir bleibt, so wird er weggeworfen wie die Rebe und verdorrt; und solche sammelt man und wirft sie ins Feuer, und sie brennen." (Joh. 15:1-6)



--- Zitat ---...
Bedenke: eine Geburt ist ein einmaliger, endgültiger Vorgang. So auch die Wiedergeburt durch den Geist Gottes.
--- Ende Zitat ---
Eine Geburt kann nie mehr rückgängig gemacht werden. Es ist wahr, dass «eine menschliche Geburt nie mehr rückgängig gemacht werden kann» und dass demzufolge auch eine «geistliche Geburt nie mehr rückgängig gemacht werden» kann. Nur eines muss bedacht werden: Jedes geborene Kind kann sterben. Sein Name wird im Geburtsregister wieder gestrichen. Es ist nicht mehr Kind seiner Eltern. - Der Herr Jesus zeigt anhand des Gleichnisses vom verlorenen Sohn, dass ein Wiedergeborener wieder geistlich sterben kann und ewig verloren ist, wenn er nicht mehr heimkehrt. In Lk 15, 24 lesen wir: «Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; und er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.»

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